Patty auf Reisen #1

Ein Sommerbesuch in der nördlichen Metropole in Hessen.

Kurz nach zwölf Uhr mittags sollte uns die S-Bahn innerhalb von 10 Minuten zum Düsseldorfer Hauptbahnhof bringen, von wo unsere vierstündige Reise nach Kassel zur documenta(13) fortgesetzt werden sollte und über die damit verbundene Nahrungsaufnahme ich hier berichten möchte. Leider fuhr die S-Bahn auf einem Gleis an uns vorbei, welches nicht mit einem Bahnsteig ausgerüstet ist. So wurde mir und meiner mitreisenden Begleitung schlagartig klar, dass die Reise nun nicht mehr 4 Stunden, sondern aufgrund der regelmäßig verkehrenden Bahnen 6 Stunden dauern würde.

Daher gestaltete sich der erste Zwischenstopp zwar eher zwangsmäßig aber auch nicht weniger lecker, denn auf unserem Weg zum Düsseldorfer Hauptbahnhof kehrten wir in die mit bester Innenstadtlage gesegneten Rösterei „Röstzeit“ ein und ließen uns mit Kaffee und Kuchen verwöhnen. Erfreulich, dass Kaffee und Milchschaum hier an Qualität wieder deutlich zugelegt haben, der Kuchen ist auf gewohnt leckerem Niveau. Außerdem konnte ich auf dem Tresen einen Siphonkaffeebereiter und ein Coldbrew-Gestell erspähen, demnächst wird beides definitiv ausprobiert. Alltime-Tipp für den Freund kräftigeren Kaffees bleiben hier der Malawi als Kaffeeröstung und die Altstadtröstung für den Espresso.

Der Rest der eigentlichen Reise verlief eher unspektakulär: Düsseldorf – Paderborn – Warburg – Kassel, ohne weitere Zwischenfälle. Dann war es auch schon 18 Uhr und wir erreichten im schönsten Sonnenlicht die hessische Metropole. Glücklicherweise gab es eine Ausstellung, die zeitgleich zur documenta(13) stattfindet, direkt am Kasseler (Kultur-)Bahnhof, die Caricatura VI. Nach Besuch ebendieser, die definitiv zu empfehlen ist, verschlug es uns in die benachbarte Caricatura- Bar. Diese beeindruckte zuerst durch das Angebot an (den wunderbaren) Thomas-Henry-Limonaden, dann durch Service, Preise und das Longdrinkangebot. Moscow Mule der durch Gin statt Wodka gewinnt aber leider im Tumbler statt in der Kupfertasse serviert wird. Gin Tonic mit relativ großer Auswahl an Gin, dafür puristisch mit nur diesen beiden Zutaten serviert.

Nach dem ersten Welcome-Drink machten wir uns dann mit einem Umweg in Richtung Uni Kassel auf zu unseren Freunden, bei denen wir übernachteten. Umweg Uni deshalb, weil Google das „Bashi Delight“ als vegetarisch-veganes indisches Restaurant vorstellte. Diese Lokalität heißt zwar seit kurzem „Trimurti„, deshalb trafen wir auch erst beim zweiten Anlauf, drinnen wurden wir aber direkt freundlich an der Theke begrüßt und bestellten im Self-Service-Stil unser Essen. Thali und Namaste-Bier für mich, Pakoras mit Fruchtsauce und Limonade für meine Mitesserin. Thali ist quasi eine Platte mit verschiedenen, wechselnden Speisen. An diesem Tag waren es Reis, Palak Paneer, ein Hülsenfrüchtegericht, Brot und Koriander- und Pistaziensauce. Und nach dem Essen noch einen Chai aus der Thermoskanne. So gut und günstig kann Imbiss-Indisch sein.

Ein netter weiterer Abend und eine kurzer Nacht nahmen ihren Lauf. Zum Start in den Tag gab es Käsetoast (mit dem Toast des Testsiegers Harry aus der aktuellen „test“ mit dem Toast-Test) und Prüttkaffee. Energiespendend, schnell und einfach. So muss Frühstück sein, vor allen Dingen, wenn man noch einen langen Ausstellungsweg vor sich hat.

Die vielen Kalorien, die wir während der Märsche quer durch Kassel verbrannt hatten, mussten wieder aufgefüllt werden. Leider sahen weder Kaffee noch Kuchen an den diversen Ausstellungsorten ansprechend aus. Dafür fanden wir am Friedrichsplatz in Kassel ein von außen ansprechendes Café mit, so die Karte, jahrzehntelanger Konditortradition, welches auf den Namen „Nenninger“ hört. Leider war der Espresso nicht mehr als braunes Wasser, mit dem Milchschaum hätte man sicher gut Türen ausschäumen können. Durch besonderen Service muss man sich an einem zentralen Platz während der documenta(13) wohl auch nicht hervorheben, da man doch eher von durchreisendem Laufpublikum profitieren wird. Nichtsdestotrotz entsprach der Kuchen einer durchaus handwerklich guten Qualität, das konnte aber leider auch nicht mehr viel herausreißen. Also etwas geärgert, dann aber schnell weiter durch diverse Ausstellungen, unter anderem einer Sammlung von verschiedenstem Mangold-Saatgut, mehr davon aber später.

Am frühen Abend erreichten wir dann das am Stadtrand gelegene Abessina, ein eritreisches Restaurant. Man muss nämlich nicht nach Frankfurt oder Eritrea reisen, um eritreisch speisen zu können, Kassel reicht auch. Weil es gerade öffnete, als wir eintraten, war es dementsprechend leer. Dafür wurden wir aber sofort vom Inhaber und der Kellnerin freundlich begrüßt und an einen Tisch geführt. Neben Fleisch- und Fischküche wird hier auch ein reichhaltiges vegetarisches und veganes Angebot feilgeboten. Leider war aufgrund unseres frühen Besuches genau das Gericht, welches ich mir aussuchte noch nicht vorbereitet, so dass ich mich anderweitig entscheiden musste. Schlussendlich wählte ich Bamya, einen Okraschoteneintopf und meine bezaubernde Begleitung Schiro, ein Kichererbsenpüree.

Nach gar nicht all zu langer Wartezeit wurde das Essen auch schon serviert, mit Kurkuma gefärbter Couscous und Reis, je Person ein Teller mit saurem Ingera-Brot und etwas Salat. Dann unsere Hauptgerichte, dazu noch Hamli, genial gewürzter Grünkohl, als Bitte um Entschuldigung, dass mein zuerst gewähltes Gericht nicht verfügbar war. Sehr würziges und äußerst schmackhaftes Essen, was uns hier serviert wurde. Und zum Abschied gab es noch einen Schnaps und einen Espresso oder Tee aufs Haus. Und der Espresso in diesem eritreischen Restaurant entschädigte eindeutig für das braune Wasser, was es im Laufe des Tages in einem Kaffeehaus serviert wurde.

Auf dem Rückweg stoppten wir noch kurz im Kasseler Kaufhof, um eine Skulptur im Kellergeschoss zu begutachten, schlichen dabei vorbei an der Feinkostabteilung mit ganz interessanten Angeboten im Monat August.

Im Verlauf des Abends verschlug es uns dann noch in den Weinberg-Krug, einer Kasseler Szenekneipe mit günstigen Getränken und netten Leuten.

Früh ging es los am nächsten Tag. Das Frühstück bestand wieder aus Kaffee und Käsetoast. Kraft getankt, los gelaufen. Termin gemacht im Sanatorium zur Paartherapie. Diese fand dann eine Stunde später statt und lief folgendermaßen ab: Erst suchte sich jeder selbst eines der ausliegenden Obst- und Gemüsestücke aus, mit dem man sich am ehesten identifizieren kann. Dann wählt jeweils  der Partner eine Ingredienz aus, mit der er sein Gegenüber in Verbindung bringt und erklärt seine Beweggründe. Bei uns kamen so eine Limette, eine Galliamelone, je ein Stück grüne, gelbe und rote Paprika und eine Aubergine zusammen. Diese Wahl möchte ich jetzt einfach unkommentiert und nicht zugeordnet stehen lassen. Im Weiteren wird das ganze auf jeden Fall mit etwas Wasser zu einem Mus püriert. Und ich kann euch sagen, geschmacklich passen wir erstaunlich gut zusammen, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussehen würde. Da werde ich definitiv dran bleiben und einen richtigen Saft entwickeln.

Auf dem weiteren Weg begegnete uns noch das Werk „Swiss Chard Ferry“ von Christian Phillip Müller, an dem die Mangoldsamen vom Vortag nicht ganz unschuldig waren.

Kaum hatten wir uns am Mangold sattgesehen, war es auch schon Mittag und der Magen knurrte. Von den Mangoldbooten zur Pizzeria San Marino war es nur ein Katzensprung, hier ließen wir uns nieder. Hier nahm der unterkühlt wirkende Kellner unsere Bestellung fast ohne jede Regung auf, servierte dann aber recht zügig zwei riesige Pizzen. Einmal ganz klassisch, Margherita, einmal mit viel frischem Gemüse, das sogar richtig knackig war. Fazit: Service nicht, Pizza dafür um so mehr gut.

Nach der Pizzaorgie besuchten wir noch die diversen Ausstellungsräume am Kasseler Bahnhof, der Vollautomatenespresso an der Nordflügel-documenta-Bar war nicht der Rede wert, eine Abschiedslimonade in der Caricatura-Bar war zeitlich aber noch drin. Danach ging es aber schon auf die (jetzt glücklicherweise nur vierstündige) Heimreise.

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Eine Antwort auf Patty auf Reisen #1

  1. marktkram sagt:

    Jaa. es geht wieder (frag mich nicht wie)!
    Ihr wart also auf der documenta – habe die leider verpasst.
    Klingt gut, schmackhaft, habe nun Hunger.

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